Das bunte Wunder

Wie die Farben bei Retrievern und Golden Aussies entstehen

6/27/20262 min read

Die Fellfarben bei unseren Hunden – dem Golden Retriever, dem Australian Shepherd und dem Golden Aussie – sind ein echter Hingucker. Es ist völlig verständlich, dass man sich bei der Suche nach einem Welpen auch Gedanken über die spätere Optik macht. Schließlich soll der neue Begleiter einem auch optisch gefallen.

Machen wir uns jedoch von Anfang an eines klar: Farbe ist weit mehr als nur ein schickes Gewand. Hinter jedem bunten oder einfarbigen Fell stehen komplexe genetische Bausteine. Als Züchterin weiß ich: Wer die Farben auf dem Hund verstehen will, muss einen kleinen, aber faszinierenden Blick in die Genetik werfen. Keine Sorge, wir machen daraus keine trockene Biologiestunde!

Das Einmaleins der Pigmente: Die zwei Farbtöpfe

Im Grunde ist die Natur beim Hund ziemlich minimalistisch. Es gibt auf der biologischen Palette nämlich überhaupt nur zwei Farbstoffe (Pigmente), aus denen alle Fellfarben gemischt werden:

  1. Eumelanin: Zuständig für alles, was schwarz oder braun ist.

  2. Phäomelanin: Zuständig für alle roten, goldenen und cremefarbenen Bereiche.

Dass unsere Hunde so unterschiedlich aussehen, liegt an den sogenannten „Lokus“ – das sind quasi die Schalter und Regler auf den Genen.

Der Golden Retriever und seine eingebaute Schranke

Der Golden Retriever hat genetisch einen ganz besonderen Trick auf Lager: den sogenannten rezessiven E-Lokus. Man kann sich diesen Schalter vorstellen wie eine biologischer Schalter für Farbe. Er sorgt dafür, dass das schwarze oder braune Pigment (Eumelanin) im Fell überhaupt nicht ausgeprägt werden.

Egal, welche dunklen Farben ein Golden Retriever theoretisch in seinen Genen trägt: Durch diese Schranke erscheint er optisch immer in verschiedenen Gold-, Creme- oder Rottönen.

Dazu gesellt sich der I-Lokus (Intensity-Lokus). Das ist der Helligkeitsregler am Bildschirm. Er entscheidet, wie kräftig das Rot leuchtet. Genau deshalb gibt es Golden Retriever und Golden Aussies in so wunderbar unterschiedlichen Nuancen – von einem fast schneeweißen Creme bis hin zu einem satten, dunklen Fuchsrot.

Wichtig zu Wissen: Dieser Regler verändert nur die Intensität der hellen Pigmente. Er hat absolut nichts mit Gendefekten zu tun. Ein sehr heller, cremefarbener Hund ist also keineswegs „krankgezüchtet“, sondern genauso fit und gesund wie sein fuchsroter Kumpel.

Das Phänomen „Merle“: Ein echtes Detektivspiel

Beim Australian Shepherd und dem Golden Aussie stoßen wir auf das weltberühmte Merle-Muster. Merle ist eigentlich keine eigene Farbe, sondern ein genetischer Effekt. Er bricht die dunklen Pigmente im Fell auf und sorgt für die wunderschön marmorierten Varianten Blue Merle und Red Merle. Auf den Charakter oder die Fitness des Hundes hat dieses Muster übrigens absolut keinen Einfluss.

Während man das Merle-Muster beim reinrassigen Australian Shepherd sofort sieht, wird es beim Golden Aussie zu einem echten genetischen Detektivspiel.

Erinnerst du dich an die eben erwähnte „Farb-Schalter“ (den E-Lokus)? Wenn ein Golden Aussie diesen Schalter erbt, kann das Merle-Muster im Fell vollständig verdeckt und für das menschliche Auge unsichtbar werden! Das bedeutet: Ein Hund sieht äußerlich aus wie ein ganz normaler, einfarbig gelber Hund – trägt aber tief in sich das Merle-Gen.

Genau aus diesem Grund sind umfassende, professionelle Gentests das absolute Fundament einer verantwortungsvollen Zucht. Wer hier nur nach dem bloßen Auge verpaart und nach dem Prinzip „Wird schon passen“ agiert, spielt russisches Roulette mit der Gesundheit der Welpen. Warum das so ist und warum manche Farben sogar gefährlich werden können, schauen wir uns im Artikel "Genetische Verantwortung: Warum „Blau“ und „zu viel Weiß“ beim Hund gefährlich sein können" ganz genau an.

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