Ruhe und Schlaf beim Welpen
warum weniger oft mehr ist
4 min read


Viele neue Welpenbesitzer machen sich Gedanken darüber, wie sie ihren Hund sinnvoll beschäftigen können. Dabei wird ein Thema häufig unterschätzt: Ruhe und Schlaf. Gerade in den ersten Lebensmonaten gehören sie zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung.
Ein Welpe schläft nicht viel, weil er faul ist. Sein Körper und sein Gehirn befinden sich in einer intensiven Entwicklungsphase. Während der Ruhe- und Schlafzeiten verarbeitet er Erlebnisse, festigt neue Erfahrungen und entwickelt die Fähigkeit, mit Reizen umzugehen. Viele Welpen schlafen deshalb täglich 18 bis 20 Stunden.
Gerade bei Australian Shepherds, Golden Aussies und auch Golden Retrievern beobachten wir immer wieder, dass Müdigkeit anders aussieht, als viele Menschen erwarten. Diese Hunde sind meist sehr menschenbezogen, aufmerksam und neugierig. Sie möchten am liebsten überall dabei sein und verpassen nur ungern etwas. Besonders Australian Shepherds und Golden Aussies haben oft Schwierigkeiten, von selbst zur Ruhe zu kommen, wenn ständig etwas Spannendes passiert.
Statt sich einfach hinzulegen, werden manche Welpen mit zunehmender Müdigkeit sogar immer unruhiger. Sie laufen rastlos durchs Haus, beißen vermehrt in Hände oder Kleidung, springen zwischen verschiedenen Beschäftigungen hin und her oder wirken plötzlich besonders aktiv. Viele Besitzer vermuten dann Langeweile oder Unterforderung und versuchen, den Welpen noch weiter zu beschäftigen. Tatsächlich steckt dahinter aber häufig genau das Gegenteil: Der Welpe ist müde und sein Nervensystem hat bereits mehr Eindrücke aufgenommen, als es verarbeiten kann.
Besonders am Abend zeigt sich dieses sogenannte Überdrehen oft sehr deutlich. Der Welpe wirkt aufgedreht, nimmt selbst einen Kauknochen nur noch kurz an und findet schwer in den Schlaf. Wer jetzt noch mehr spielt, trainiert oder beschäftigt, erreicht häufig das Gegenteil von dem, was eigentlich gebraucht wird.
In solchen Situationen hilft meist kein weiterer Input, sondern Ruhe. Weniger Ansprache, weniger Aktivität und eine möglichst reizarme Umgebung geben dem Welpen die Möglichkeit, wieder herunterzufahren. Oft dauert es eine Weile, bis er selbst in den Schlaf findet, doch genau diese Erfahrung ist wichtig.
Ruhe muss ein Welpe nämlich erst lernen. Gerade bei aktiven und intelligenten Rassen entsteht Gelassenheit nicht automatisch. Ein Welpe kommt nicht mit der Fähigkeit zur Welt, sich selbst zuverlässig zu regulieren. Deshalb gehört es zu den Aufgaben des Menschen, ausreichend Ruhephasen zu ermöglichen und zu schützen. Nicht jede Wachphase muss mit Spiel, Training oder Aufmerksamkeit gefüllt werden.
Ein fester Ruheplatz kann dabei helfen. Viele Welpen profitieren außerdem von einer Box oder einem begrenzten Ruhebereich, wenn dieser positiv aufgebaut wird. Wichtig ist dabei, dass solche Rückzugsorte nicht als Strafe genutzt werden, sondern Sicherheit und Entspannung vermitteln.
Auch nachts brauchen junge Hunde Zeit, um sich an ihr neues Zuhause zu gewöhnen. Dass ein Welpe anfangs noch nicht durchschläft, ist völlig normal. Mit zunehmender Sicherheit und Reife verlängern sich die Schlafphasen meist von selbst.
Aus unserer Erfahrung wird die Bedeutung von Ruhe oft unterschätzt. Gerade bei Australian Shepherds und Golden Aussies erleben wir immer wieder, dass Besitzer sich vor allem auf Beschäftigung und Auslastung konzentrieren. Dabei ist die Fähigkeit zur Ruhe oft mindestens genauso wichtig wie körperliche oder geistige Aktivität.
Viele Verhaltensweisen, die später als „schwierig“ empfunden werden – ständige Unruhe, übermäßiges Fordern von Aufmerksamkeit, Nervosität oder Schwierigkeiten beim Alleinbleiben – können dadurch begünstigt werden, dass ein Hund nie gelernt hat, wirklich abzuschalten. Ein Welpe, der von Anfang an lernt zu entspannen und zur Ruhe zu kommen, hat dagegen die besten Voraussetzungen, später ein ausgeglichener und angenehmer Begleiter im Alltag zu werden.
Unser Fazit
Ruhe ist keine Pause von der Entwicklung – sie ist ein wichtiger Teil davon. Gerade bei Australian Shepherds, Golden Aussies und Golden Retrievern lohnt es sich, diesem Thema von Anfang an besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Wer sich einen ausgeglichenen, alltagstauglichen Hund wünscht, der nicht ständig Beschäftigung einfordert, Besuch gelassen begegnet, im Restaurant entspannen kann oder auch zuhause einmal abschaltet, sollte das Thema Ruhe von Beginn an ernst nehmen. Diese Fähigkeiten entstehen nicht von allein und sie entstehen auch nicht durch immer mehr Auslastung. Sie entwickeln sich, wenn ein Welpe lernt, dass Ruhe ein ganz normaler Bestandteil des Alltags ist.
Ein Hund, der von klein auf ausreichend Schlaf bekommt und lernt, sich zu entspannen, hat die besten Voraussetzungen, später ein angenehmer Begleiter zu werden. Deshalb ist Ruhe nicht nur Erholung – sie ist ein wichtiger Teil der Erziehung und eine Investition in das gesamte spätere Hundeleben.
So wird der Ruheplatz positiv aufgebaut
Der Ruheplatz soll für den Welpen von Anfang an etwas Normales und Angenehmes sein – kein Zwang und kein Ort zum „Wegschicken“.
Ein solcher Platz sollte niemals mit Druck aufgebaut werden, da der Welpe ihn sonst mit Stress, Unsicherheit oder dem Gefühl von Einschränkung verknüpfen kann. In diesem Fall würde er nicht zur Ruhe führen, sondern eher Unruhe oder Widerstand auslösen. Ziel ist, dass der Welpe diesen Bereich als sicheren und positiven Rückzugsort wahrnimmt.
Wichtig ist, dass der Ruheplatz nicht aktiv „durchgesetzt“ wird, sondern sich ganz selbstverständlich in den Alltag integriert. Viele Welpen beginnen von sich aus, sich dorthin zurückzuziehen, wenn sie müde sind oder Reize reduzieren möchten. Genau diese Momente sind entscheidend und sollten nicht gestört werden.
Unterstützend kann es sein, diesen Bereich positiv zu verknüpfen – zum Beispiel dadurch, dass der Welpe dort gelegentlich etwas Ruhiges zum Kauen bekommt oder dort einfach ungestört liegen darf, ohne dass etwas von ihm erwartet wird. Entscheidend ist dabei, dass keine aktive Beschäftigung entsteht, sondern Ruhe im Vordergrund steht.
Wenn der Welpe sich selbst in diesen Bereich zurückzieht, ist das genau der richtige Zeitpunkt: nicht ansprechen, nicht animieren, nicht unterbrechen. Er darf in diesem Moment einfach zur Ruhe kommen und abschalten.
So entsteht mit der Zeit eine klare Verknüpfung: Dieser Platz steht für Ruhe, Sicherheit und Entlastung. Und genau daraus entwickelt sich echte Ruhe – nicht durch Kontrolle, sondern durch Erfahrung und Wiederholung.

