Zahnwechsel und Beißhemmung

Wenn Welpen mit dem Maul die Welt entdecken

2 min read

Der Zahnwechsel und die damit verbundene Beißphase gehören ganz normal zur Entwicklung eines Welpen dazu. Sie haben nichts mit Ungehorsam, Dominanz oder schlechter Erziehung zu tun, sondern sind ein natürlicher Teil seiner körperlichen Reifung und seines Verhaltens.

Viele Welpenbesitzer erleben in dieser Zeit zum ersten Mal, dass der junge Hund deutlich mehr ins Maul nimmt, auf Händen oder Kleidung kaut oder im Spiel etwas fester zupackt. Das kann im Alltag anstrengend sein, ist aber ein völlig normaler Entwicklungsabschnitt.

Welpen werden mit einem Milchgebiss geboren. Ab etwa der dritten bis vierten Lebenswoche beginnen die ersten Zähne durchzubrechen. Mit ungefähr vier bis sechs Monaten wird dieses Milchgebiss nach und nach durch das bleibende Gebiss ersetzt. In dieser Zeit verändert sich viel im Maul: Zähne lockern sich, das Zahnfleisch kann empfindlich sein und der Kaudrang nimmt deutlich zu. Kauen hilft dem Welpen, diesen Druck im Kiefer auszugleichen.

Auch das vermehrte Beißen ist in dieser Phase vor allem eine Form der Selbstregulation. Welpen nutzen ihr Maul ganz selbstverständlich, um ihre Umwelt zu erkunden und zu „verstehen“. Im Spiel oder in aufregenden Momenten kann es dabei vorkommen, dass sie etwas zu fest zupacken – ohne dass dahinter eine bewusste Absicht steckt.

Wichtig ist in dieser Zeit vor allem ein ruhiger Umgang. Der Welpe muss weder für sein Beißen bestraft noch angeschrien werden. Solche Reaktionen führen meist eher zu Unsicherheit, als dass sie wirklich helfen. Viel sinnvoller ist es, ihm passende Alternativen anzubieten, wie Kauartikel oder geeignetes Spielzeug, damit er sein Bedürfnis dort ausleben kann, wo es hingehört.

Wenn das Beißen im Spiel zu intensiv oder unangenehm wird, hilft es oft schon, die Situation ruhig zu unterbrechen. Ein kurzes Innehalten, das Wegnehmen der Hände oder ein ruhiger Abbruch des Spiels reicht aus, damit der Welpe lernt, dass es so nicht weitergeht. Diese Rückmeldung funktioniert über Klarheit und Wiederholung, nicht über Druck.

Auch der allgemeine Zustand des Welpen spielt in dieser Phase eine große Rolle. Übermüdung oder Überforderung führen häufig dazu, dass die Beißneigung zunimmt. Ausreichende Ruhezeiten sind deshalb genauso wichtig wie der richtige Umgang im Moment selbst.

Der Zahnwechsel verläuft sehr unterschiedlich. Manche Welpen zeigen kaum Veränderungen, andere reagieren sensibler. Leichter Maulgeruch, vermehrtes Kauen oder auch einmal ein verlorener Milchzahn sind dabei völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Mit dem Abschluss des Zahnwechsels lässt das intensive Kaubedürfnis meist deutlich nach. Auch die Beißphase wird im Laufe der Zeit ruhiger, wenn der Welpe reifer wird und lernt, seine Impulse besser zu steuern.

Mit Ruhe, Geduld und einem verständnisvollen Umgang lässt sich diese Phase gut begleiten – und sie stärkt gleichzeitig die Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Beißhemmung – ein wichtiger Teil der Entwicklung

Ein weiterer wichtiger Punkt in dieser Phase ist die sogenannte Beißhemmung.

Welpen lernen dieses Verhalten bereits sehr früh im Spiel mit ihren Geschwistern. Wird ein Biss zu fest, reagiert der andere Welpe und das Spiel wird kurz unterbrochen. So entsteht ganz natürlich ein Gefühl dafür, wie viel Druck noch in Ordnung ist.

Mit dem Umzug ins neue Zuhause fällt dieses Lernen im sozialen Rudel weg. Deshalb ist es normal, dass Welpen ihre Beißhemmung erst weiterentwickeln müssen.

Im Alltag bedeutet das vor allem eines: ruhig bleiben und klar reagieren. Wird ein Biss zu fest, reicht es, das Spiel kurz zu beenden oder die Situation ruhig zu unterbrechen. So lernt der Welpe Schritt für Schritt, seine Kraft besser zu regulieren – ohne Druck und ohne Strafe.

Mit der Zeit wird die Beißhemmung immer sicherer und das Spiel deutlich sanfter.

© 2025. All rights reserved.

KOntakt