Genetische Verantwortung
Warum „Blau“ und „zu viel Weiß“ beim Hund gefährlich sein können
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Im ersten Teil unserer Farben-Reihe " Das Bunte Wunder" haben wir uns angeschaut, wie die Farbe auf dem Fell unserer Hunde entsteht. Doch so schön die Vielfalt auch ist: Farbe darf in einer seriösen Zucht niemals über der Gesundheit stehen. Hinter manch „seltenen“ Look verbirgt sich leider ein massives gesundheitliches Risiko.
Als Züchterin ist es mir eine Herzensangelegenheit, hier ganz unaufgeregt, aber glasklar aufzuklären. Denn wer vielfältige Farben züchtet, darf sich niemals auf sein Glück verlassen.
Vererbung von Merle und „Double Merle“
Merle wird dominant vererbt. Verpaart man einen Merle-Träger mit einem Nicht-Merle-Träger (Solid), ist das eine absolut saubere Sache: Es entstehen statistisch zur Hälfte perfekt gesunde Merle-Welpen und zur Hälfte perfekt gesunde, einfarbige Welpen. Das Problem ist dabei niemals das Merle-Gen an sich – mischerbige Merle-Hunde sind absolut gesund!
Die absolute rote Linie wird jedoch dann überschritten, wenn zwei Merle-Träger miteinander verpaart werden. In diesem Fall entstehen sogenannte Double-Merle-Hunde. Das sind reinerbige Hunde, die das Gen sowohl vom Vater als auch von der Mutter geerbt haben. Bei diesen Welpen wird die Pigmentbildung im Körper so massiv unterdrückt, dass nicht nur das Fell weiß bleibt, sondern auch die lebenswichtige Pigmentierung in den Sinnesorganen fehlt.
Die tragischen Folgen von Double-Merle-Verpaarungen:
Schwere Hörbeeinträchtigungen bis hin zur beidseitigen Taubheit: Pigmentzellen im Innenohr sind elementar für die Entwicklung des Gehörs zuständig. Fehlen sie, bleibt der Hund taub.
Massive Augenfehlentwicklungen: Es kommt zu viel zu kleinen Augäpfeln (Mikrophthalmie) bis hin zur vollständigen Blindheit.
Extrem hohe Weißanteile: Das Fell bleibt weiß und führt zu komplett unpigmentierten, rosafarbenen Nasenspiegeln, Augenlidern und Lefzen.
Tödliche Entwicklungsstörungen: In schweren Fällen kommt es zu Missbildungen an Organen und Skelett noch im Mutterleib.
Aus diesem Grund sind Merle-zu-Merle-Verpaarungen in Deutschland völlig zurecht als tierschutzrelevante Qualzucht streng verboten. Durch das Merle sich nicht immer so deutlich in einer auffälligen Marmorierung zeigt oder bei einem Golden Aussie in gold oder creme überhaupt nicht zu sehen ist, kann dieses unverantwortliche Risiko nur durch den konsequenten Einsatz moderner Gentests zu einhundert Prozent ausgeschlossen werden.
Weißanteile und das Risiko der „White Heads“
Weiße Flecken im Fell entstehen dort, wo schlichtweg überhaupt keine Pigmentzellen vorhanden sind. Was viele nicht wissen: Diese Zellen färben nicht nur das Haar. Sie sind auch im Innenohr elementar wichtig für die normale Entwicklung des Hörvermögens sowie für die richtige Ausbildung der Augenstrukturen. Fehlen sie an diesen empfindlichen Stellen komplett, wird der Welpe taub oder mit schweren Sehbehinderungen geboren.
Das Problem der hellen Haut: Wo Pigmentzellen im Fell fehlen, ist in der Regel auch die darunterliegende Haut komplett rosa und ungeschützt. Während dunkel pigmentierte Haut einen natürlichen Schutz gegen UV-Strahlung bietet, sind weiße Hunde der Sonne schutzlos ausgeliefert. Das Risiko für schmerzhafte Sonnenbrände, chronische Hautentzündungen und bösartigen Hautkrebs (wie Plattenepithelkarzinome) ist bei mangelnder Hautpigmentierung extrem hoch.
Das ist übrigens kein exklusives Problem unserer Rassen: Man kennt dieses Phänomen weltweit von weißen oder weiß gescheckten Hunden oder Rassen wie z.B. dem Dalmatiner. Auch dort basiert die typische gepunktete Muster auf einer extremen Weiß-Scheckung, weshalb Dalmatiner genetisch bedingt leider sehr häufig von angeborener ein- oder beidseitiger Taubheit sowie extrem empfindlicher Haut betroffen sind.
Deshalb schaut man als Züchter niemals nur darauf, ob ein Hund weiße Abzeichen besitzt, sondern ganz genau, wo diese liegen. Besonders große Weißanteile im Kopfbereich (die sogenannten „White Heads“, bei denen das Weiß über die Augen und Ohren hinausragt) sind gesundheitlich hochriskant. Wenn die Haut um die Ohren oder Augen herum keine Pigmente besitzt, steigt das Risiko für angeborene Taubheit und Sehfehler drastisch an. Aus diesem Grund werden solche extremen Weißanteile in einer verantwortungsvollen Zucht konsequent vermieden.
Das Risiko von Dilute: CDA (Color Dilution Alopecia)
Ein weiteres wichtiges genetisches Thema ist Dilute – die genetische Farbverdünnung, die aus Schwarz ein Schieferblau / Blue, aus Gelb ein Champagner und aus Braun ein helles Lilac macht. Dilute greift im Gegensatz zum I-Lokus die Struktur der dunklen Pigmente direkt an.
Wichtig zu wissen: Diese Farbverdünnung wird rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass die veränderte Fellfarbe ausschließlich bei reinerbigen Hunden (d/d) optisch sichtbar ist. Trägt ein Hund das Gen nur einfach (mischerbig, D/d), sieht man es ihm überhaupt nicht an – er hat ein perfekt gesundes, normal gefärbtes Fell, kann das Gen aber unbemerkt weitervererben, ähnlich wie bei der Merle.
Tritt jedoch die Reinerbigkeit (d/d) auf, wird es bei unseren Rassen gefährlich. Unter Modenamen wie „Blue“, „Lilac“ oder auch „Champagner“ wird diese Optik gerne als selten vermarktet. Bei unseren Hunden führt diese Reinerbigkeit jedoch sehr häufig zu einer schweren, unheilbaren Erberkrankung: der sogenannten Color Dilution Alopecia (CDA), im Deutschen auch als Farbverdünnungsalopezie bekannt.
Vielleicht fragst du dich jetzt: „Aber warum ist dann ein Weimaraner komplett silbergrau (Dilute) und hat diese Probleme nicht?“
Die Antwort der Genetik ist faszinierend: Rassen wie der Weimaraner tragen diese Farbverdünnung schon seit Jahrhunderten fest im Erbgut. Gemeinsam mit der Farbe wurden über Generationen hinweg schützende Nebengene (sogenannte Modifikatoren) mitvererbt, die die Haarstruktur stabilisieren.
Bei unseren Rassen und vielen anderen existieren diese Schutzgene von Natur aus nicht. Überall dort die Farbe Dilute künstlich reingezüchtet würde, kann die schmerzhafte Krankheit CDA unberechenbar mit voller Wucht ausbrechen, weil der schützende Gen-Schirm des Weimaraners fehlt. Da die Wissenschaft diese Schutzgene noch nicht vollständig entschlüsselt hat, ist hätte das Hineinzüchten von Dilute in unsere Linien ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko.
Was genau passiert bei einer CDA im Hundekörper?
Zerstörung der Haare: Durch den Gendefekt verklumpen die Pigmente (Melanosomen) in den Haarschaften extrem stark. Dadurch bricht das wachsende Hundehaar bereits in der Haut oder kurz nach dem Austreten ab.
Irreversibler Haarausfall: Der Hund verliert nach und nach sein Fell, beginnend meist ab dem 4. bis 6. Lebensmonat. Die betroffenen Stellen (oft der Rücken) bleiben dauerhaft komplett kahl, da die Haarfollikel unwiderruflich zerstört werden.
Schmerzhafte Hautentzündungen: Die nackte, ungeschützte Haut neigt zu extremer Trockenheit, Schuppenbildung und Juckreiz. Es bilden sich bakterielle Sekundärinfektionen, Pusteln und schmerzhafte Ekzeme, die ein Leben lang medizinisch behandelt werden müssen.
Extreme Lichtempfindlichkeit: Ohne das schützende Deckhaar ist die Haut der UV-Strahlung schutzlos ausgeliefert, was das Risiko für schweren Sonnenbrand und Hautkrebs drastisch erhöht.
Warum die Kombination aus Merle und Dilute absolut unverantwortlich ist
An dieser Stelle müssen wir eine ganz klare rote Linie ziehen: Wer wissentlich oder aus purer Unwissenheit Merle-Hunde mit Dilute-Hunden verpaart, handelt schlichtweg unverantwortlich.
Hier treffen zwei völlig unterschiedliche, tiefgreifende Gendefekte aufeinander, die beide massiv und auf zerstörerische Weise in die Pigmentierung des Hundekörpers eingreifen. Wer solche Verpaarungen vornimmt, betreibt russisches Roulette mit der Gesundheit von Lebewesen. Das hat mit seriöser, liebevoller Zucht absolut nichts mehr zu tun und hinterlässt im schlimmsten Fall kranke Welpen, die ihr Leben lang unter den Folgen dieser Experimente leiden müssen.
Farbgenetik: Mehr als nur ein bunter Welpenwurf
Wie du siehst, ist die Welt der Gene unendlich viel komplexer, als es der Blick auf einen bunten Welpenwurf vermuten lässt. Es gibt neben den Hauptgenen noch unzählige Varianten wie kryptisches Merle, Mosaik-Merle, Harlekin-Merle und Modifikatoren, die Weißanteile und Abzeichen verschieben. Wer vielfältige Farben züchtet, darf sich niemals auf sein Glück oder reine Vermutungen verlassen.
Unsere züchterische Verantwortung
In unserer Zucht stehen die Gesundheit, die Vitalität und die unbeschwerte Lebensqualität unserer Hunde an oberster, unumstößlicher Stelle. Jede einzelne Verpaarung wird von uns im Vorfeld akribisch genetisch geplant. Hunde, die durch das Zusammenkommen ihrer Gene (sei es durch verdecktes Merle, Dilute oder zu hohe Weißanteile) ein vermeidbares Risiko für die Welpen darstellen könnten, werden von uns konsequent und ohne Ausnahme von der Zucht ausgeschlossen.
In unserer Zuchtstätte wird die Farbverdünnung durch lückenlose Gentests bei den Elterntieren konsequent ausgeschlossen, damit unsere Welpen mit einem rundum dichten, gesunden und schützenden Fellkleid aufwachsen können.
Gerade beim Australian Shepherd und dem Golden Aussie ist fundiertes genetisches Fachwissen und der lückenlose Einsatz von modernen Gentests die Pflicht eines jeden Züchters, der seine Hunde liebt. Du darfst dir also sicher sein: Unsere Welpen tragen ihr wunderschönes Fellkleid auf einem absolut gesunden und sicheren Fundament.

